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Tibet Teil 5: In Lebensgefahr
23. Mai 1994 - 8. September 1994, km 8850 - 12'250
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Als wir uns in einer engen Schlucht befanden, wurden wir von einem heftigen Gewitter überrascht. Wir standen ganz nah an der Stützmauer, als plötzlich ein Rumpeln und Rollen zu hören war. Schon flogen die ersten Steine über unsere Köpfe hinweg. Jetzt wurde es aber langsam ungemütlich! Claudia hatte riesige Angst und fing an zu weinen, beide fürchteten wir um unser Leben. Die kleineren Steine flogen in den Fluss, die grösseren Brocken landeten direkt vor unseren Füssen auf der Strasse. Keine zwei Meter neben den Fahrrädern suchte sich ein Schlammbach seinen Weg ins Tal und hinterliess einen riesigen Dreckhaufen. Nach einer halben Stunde hatte sich das ganze ein wenig beruhigt, aber an Radfahren war nicht mehr zu denken. Alle fünfhundert Meter hatten Schlamm- und Geröllbäche die Strasse blockiert. Wir kämpften uns durch, bis wir einen sicheren Ort fanden, um das Zelt aufzuschlagen. Noch Stunden später schlotterten wir beide am ganzen Leib und dankten Gott und unseren Schutzengeln für ihre Hilfe.
Mekong
Es folgte Pass auf Pass, rauf auf 5000 m, runter auf 2500 m, wieder 50 Spitzkehren hoch, danach 60 km Abfahrt. Kaum einmal gab es eine ebene Strecke zu fahren. Hinter der Stadt Zogong kam der härteste Teil, vier hohe Pässe innert 400 km. Zusätzlich hatten wir mit schlechtem Wetter zu kämpfen. Den zweiten Kontrollposten in Markham passierten wir in strömendem Regen, keiner interessierte sich für uns. In der Stadt fanden wir Äpfel und herrliche Brotfladen, solche Köstlichkeiten entschädigten für die Anstrengung. Am Fusse des Passes Hong La stellten wir unser Zelt auf einer schönen Wiese auf. Wir waren gemütlich am Essen im Zelt drin, als plötzlich eine Flutwelle auf uns zu schoss. Es blieb mir gerade noch Zeit, um die Bodenplane zu heben. Ein Sturzbach kam den Weg runter, wir befanden uns mitten in einer riesigen Wasserpfütze. Vergebens versuchte ich, mit Gräben das Wasser umzuleiten, es half alles nichts. Kurzerhand rissen wir alle Heringe aus und zogen das ganze Zelt mitsamt Inhalt an einen sicheren, höher gelegenen Ort. Erst am anderen Tag entdeckten wir, dass sich oberhalb ein Teich gebildet hatte, der übergelaufen war.
Tibeterin bei Zhongdian
In Yanjing, einem kleinen tibetischen Dorf an der Grenze zur Provinz Yunnan, erreichten wir zum zweitenmal den Mekong. Dessen braune, dreckige Brühe hatten wir schon ein paar Tage zuvor überquert. Alle Flüsse in der Gegend waren gleich und verstopften den Wasserfilter innert Kürze, ständig musste ich die Keramikkerze reinigen. So war es oft eine mühsame Quälerei, bis ich unseren Wasservorrat gefiltert hatte. Fast 100 km führte die Strasse dem Mekong entlang, nach all den Gewittern der letzten Tage war sie für Fahrzeuge aber gänzlich unpassierbar. Nach einem weiteren Pass erreichten wir den Yangtze Fluss, mit 6300 km der längste Chinas. Am 6. August, unserem ersten Hochzeitstag, erreichten wir Zhongdian. Nach 37 extrem anstrengenden Tagen war dies die erste für Touristen offene Stadt seit Lhasa. Es war ein überwältigendes Gefühl, wir hatten überlebt, alle Gefahren schadlos überstanden, die Polizei an der Nase herumgeführt. Unsere Freude war riesig, vor allem auch deswegen, etwas besonderes geleistet zu haben, etwas, wovon andere nur träumen.
Chinesen in Lijang
Bis Kunming verlief die Reise vergleichsweise ereignislos. Nach den Strapazen in Tibet kam uns hier das Reisen sehr einfach vor. Wir waren froh, wieder in der Zivilisation zu sein, aber schon bald dachten wir mit Wehmut an die einsamen Strassen und Berge, die schönen Abende, die Nächte im Zelt unter diesem phantastischen tibetischen Sternenhimmel zurück. Es blieb uns aber nur die Erinnerung. Wir besuchten unseren Freund Jeff an der Universität, den wir unterwegs angetroffen hatten. Er war einer der wenigen Chinesen, die Englisch sprachen. | ||||
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