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Tibet Teil 1: 5000er Pässe
23. Mai 1994 - 8. September 1994, km 8850 - 12'250
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Alles war gepackt und vobereitet, die Räder waren schwerer denn je, bis zum äussersten mit Lebensmitteln vollgestopft. Drei Tage dauerte die Reise bis zur tibetischen Grenze. Wir wurden von Tag zu Tag nervöser, je mehr wir uns der Grenze näherten. Die Schotterstrasse folgte einem engen Tal bis nach Kodari, der letzten Ortschaft in Nepal, wo die Freundschaftsbrücke den Fluss nach Tibet überquert.
Häuser in Nyalam
Der chinesische Grenzposten befand sich weiter oben, acht steile Kilometer von der Brücke entfernt. Die Piste war so steil und schlecht, dass wir unsere Räder meistens schieben mussten. Von weitem schon sahen wir das Zollgebäude, und unsere Herzen begannen wie wild zu klopfen. Nur ganz cool bleiben, es wird schon schief gehen! Beim ersten Beamten mussten wir den Pass zeigen und ein Formular betreffend unserer Gesundheit ausfüllen. Der Zöllner erklärte uns auf Chinesisch, wir hätten alle Fragen mit Nein zu beantworten. Am nächsten Schalter mussten wir wiederum die Pässe abgeben und ein weiteres Formular ausfüllen, dann stempelte der Beamte ohne mit der Wimper zu zucken unsere Pässe. HURRAAAAA! WIR SIND IN TIBET! Wir hatten es wirklich geschafft. Einmal mehr bewahrheitete sich unser Motto: Glaube nur die Hälfte von dem, was erzählt wird und gehe lieber selber gucken! Wir hatten den höchsten Anstieg der Welt vor uns, 160 km bergauf von 560 m hoch zum Lalung La auf 5100 m. Je höher wir kamen, desto mühsamer wurde es auf dem Rad. Nyalam, das nächste Dorf, lag 30 km entfernt auf 3750 m. Dort ruhten wir uns zwei Tage aus und erholten uns von den Strapazen.
Tibetischer Reiter
Die Tibeter sind freundliche, lustige Menschen. Die Männer haben ihre langen Haare zu einem Zopf geflochten, den sie um ihren Kopf wickeln. In den Haarenden ist farbige Wolle eingeflochten. Das ganze sieht aus wie ein Kranz. Die alten Männer tragen dicke, farbige Stiefel aus Filz und ebensolche Mäntel und Hosen. Die Frauen wickeln ihre Haare ähnlich wie die Männer um den Kopf. Auch sie tragen schwere Röcke und eine farbige Schürze, welche mit einem Gurt mit einer riesigen Silberschnalle gehalten wird. Windeln gibt es in Tibet keine, statt dessen haben alle kleinen Kinder einen Schlitz in der Hose, man sieht den nackten Po. Besonders schön ist der Anblick, wenn die Mütter ihre Kleinen auf dem Rücken tragen. Die Kinder waren zusammen mit den Hunden die grössten Gefahren für uns Radfahrer. Mit der einen Hand bettelten sie um Geld für den Dalai Lama, in der anderen hielten sie einen Stein bereit. Manchmal war es wirklich sehr gefährlich, deshalb schmissen wir oft Steine, sobald wir irgendwo eine Gruppe Kinder stehen sahen, rein präventiv. Die Hunde waren auch sehr aggressiv, kaum ein Tag verging, ohne dass wir angegriffen wurden. Sie sind alle rassistisch und greifen nur Touristen an. Wir hatten uns deshalb Holzstöcke zugelegt, die wir immer griffbereit hielten. Sobald ein Hund kam, rannte ich auf ihn zu mit lautem Gebrüll, den Stock in der Hand. Meistens reichte es schon, Steine zu schmeissen, aber einige wollten es wissen und kriegten deshalb eine Tracht Prügel. Wir hatten eine schreckliche Wut auf diese Viecher.
Beat vor Mount Everest
Nach zehn langen, anstrengenden Tagen erreichten wir die Passhöhe auf 5145 m. Das Panorama war herrlich, ringsum ragten die schneebedeckten Gipfel des Himalayas in die Höhe. Wie alle andern Pässe war auch dieser mit tausend Gebetsfahnen geschmückt, deren heilige Texte der Wind in alle Himmelsrichtungen blasen soll. Wir waren stolz und sehr glücklich, diesen anstrengenden Anstieg gemeistert zu haben. | ||||
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