Thailand
8. September 1994 - 25. Oktober 1994, km 12'250 - 14'100

Nachts kamen wir in Chiang Mai an, im Dunkeln fuhren wir in die Stadt hinein. Es war heiss und sehr schwül, es vergingen einige Tage, bis wir uns an das Tropenklima gewöhnt hatten. Wie immer wenn man fliegt, kommt der Kulturschock auf einen Schlag. Thailand kam uns auf den ersten Blick sehr westlich vor, vor allem die gut ausgestatteten Supermärkte waren neu - seit Griechenland hatten wir keine solchen Geschäfte mehr gesehen. Wir litten immer noch am Tibet Trauma, vermissten die Berge und die Einsamkeit. Hier kam uns alles ein wenig fad vor, wir hatten gar nicht mehr gewusst, dass Reisen so einfach sein konnte.

Zuerst radelten wir nach Norden zum Goldenen Dreieck, wo sich Thailand, Laos und Burma treffen. Vom berühmt berüchtigten Drogenschmuggel merkten wir nichts, aber wir sahen zum dritten Mal den Mekong. War er oben in den Bergen Tibets noch ein kleines, braunes Flüsschen gewesen, war er inzwischen bereits einige hundert Meter breit geworden. Unseren Plan, der burmesischen Grenze entlang nach Süden zu fahren, gaben wir bald auf. Es war schlicht zu heiss und zu steil. Hinzu kam mindesten ein Regenguss täglich, was die Hitze feucht und noch schlimmer machte.

Eine weitere Felge löste sich in ihre Einzelteile auf, und nur mit Mühe konnten wir in Chiang Mai eine gebrauchte auftreiben. Wir wohnten in einem kleinen Hotel neben einem Nachtclub. Dort fiel uns zum ersten Mal auf, wie viele allein reisende Männer jeglichen Alters sich junge Thaimädchen mieteten. Sextourismus pur trotz Aids, so wie es im Buch steht - ein Grund mehr, wieso es uns in Thailand nicht besonders gut gefiel.

Durch eine grüne, flache, sumpfige Landschaft radelten wir nach Süden. In Kamphaeng Phet fand das Bananen Festival statt. Frauen und Männer in wunderschönen Trachten, reich geschmückte Festwagen, ein bunter Markt, Imbissbuden mit exotischen Gerichten - wir beschlossen, noch eine Weile länger im Ort zu bleiben. Überhaupt war das Essen einer der Höhepunkte, zusammen mit dem indischen und chinesischen gehörte es zu unseren Favoriten. Es war sehr scharf, aber gut und billig.

In Kanchanaburi logierten wir auf einem schwimmenden Floss-Hotel. Die Stadt ist bekannt für ihre Brücke, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Vor allem der Film "Die Brücke am Kwai" ist weltberühmt. Danach machten wir uns auf den Weg nach Bangkok, welches wir nach einer Monsteretappe erreichten. Wir hatten es uns schlimmer vorgestellt, durchs Zentrum zu radeln. Mehr Mühe bereitete uns, eine Unterkunft zu finden.

Fast zwei Wochen lang ruhten wir uns aus in diesem Riesenmoloch. Vieles musste organisiert und vorbereitet, geflickt und ersetzt, geputzt und gewaschen werden. Meine Eltern hatten sich für Malaysien angemeldet, wir waren deshalb etwas in Eile. Doch statt sofort loszuradeln beschlossen wir, mit dem Zug bis an die malaysische Grenze zu fahren.

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