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Neuseeland
20. Oktober 1995 - 23. Dezember 1995, km 27'750 - 30'550
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Zum Abschluss hatten uns die Australier noch einen üblen Streich gespielt, indem sie unser Gepäck in den falschen Container steckten. So standen wir abends um neun Uhr in Auckland am Flughafen mit nichts ausser unserem Handgepäck und den Rädern, die wie durch ein Wunder angekommen waren. Doch der ganze Rest blieb verschollen. Vier Tage später wurde das Gepäck per Kurier nachgeliefert, welches einen kleinen Abstecher nach Buenos Aires und LA gemacht hatte. Ich sagte später - nachdem wir uns in Chile niedergelassen hatten - zu Claudia, dass unser Gepäck bereits gewusst hatte, wohin es wollte. Die ersten Tage verbrachten wir bei unseren Bekannten Rainer und Hugo, die etwas nördlich von Auckland ein Haus hatten. Zum guten Glück, denn ohne unsere Gepäck und unsere Kleider standen wir am Anfang ganz schön blöd da. So wurden uns die ersten Tage im neuen Land doch wesentlich einfacher gemacht. Nach einer Woche fuhren wir los in Richtung Süden, erst zwei Monate später sahen wir unsere Freunde wieder. Es waren schon viele Radfahrer unterwegs in Neuseeland, was uns komisch vorkam, wir waren doch sonst meistens alleine gewesen. Fast zu viele, manche grüssten nicht mal richtig. Wenn ich das mit Asien vergleiche, wo das Zusammentreffen Gleichgesinnter das Wochenereignis schlechthin war und tagelanges Erzählen mit sich brachte, kommen mir fast die Tränen. Der Strassenverkehr und das Fahrverhalten der Kiwis zählten mit zum Schlimmsten, was wir erlebt hatten, und wir waren doch schon ziemlich abgebrüht. Man fährt rücksichtslos und aggressiv, ein Velofahrer zählt wenig. Besonders die Lastwagenfahrer spinnen, sie donnern wie die Teufel. Die Unfallzahlen sind hoch, etwa 600 Tote bei nur 3,5 Millionen Einwohnern sprechen für sich. Im Fernsehen lief deshalb eine grosse Werbekampagne gegen Raserei und Alkohol am Steuer: "If you drink and drive, you're a bloody idiot!" Das Wetter war unbeständig, und der Wetterbericht nicht sehr zuverlässig. Landschaftlich war es wunderschön, nur hatten wir leider oft nicht viel davon: graue Steine am grauen Strand mit grauem Meer und grauen Bergen, im Hintergrund der liebliche, graue Himmel! Wir waren kaum eine Woche auf der Insel, als auf einen Schlag mein Knie zu schmerzen anfing. Als es nach ein paar Tagen nicht besser sondern nur schlimmer wurde, ging ich zum Arzt. Dieser sagte mir, das Knie sei überlastet und brauche Schonung. Ich fragte mich natürlich, woher es überlastet sein soll, diese Hügelchen waren doch gar nichts im Vergleich zum Himalaya. So sass ich denn stundenlang in den dampfenden Bädern und liess es mir gutgehen. Als wir ein paar Tage später weiterfuhren, kürzten wir meinem Knie zuliebe unsere Tagesetappen. Nach zwei Wochen war ich wieder fit wie eh und je. Besonders gut gefielen uns die heissen Quellen auf der Nordinsel. In Coromandel gibt es sogar einen Strand, an welchem bei Ebbe heisses Wasser aus dem Sand ins Meer fliesst. Wir gruben uns ein Loch und genossen ein herrliches Bad und den Sonnenuntergang im Hintergrund - ein phantastische Erlebnis. Rotorua ist das Zentrum der heissen Quellen, Überall steigen gelbliche Schwefeldämpfe aus der Erde, blubbern graue Schlammteiche vor sich hin - alles Zeugen einer regen vulkanischen Aktivität. Wir umrundeten den Vulkan Ruapehu, der einen Monat zuvor ausgebrochen war und immer noch gemütlich vor sich hin rauchte. Das Panorama war super, der Tauposee mit den Schneebergen und dem rauchenden Vulkan im Hintergrund. In Wellington blieben wir nicht lange, schon bald tuckerten wir mit der Fähre über die Cookstrasse zur Südinsel. Dort hatten wir ausnahmsweise mal schönes Wetter, aber der Wind wehte fürchterlich von allen Seiten.. Die Küstenstrasse nach Christchurch war spektakulär, Sandstrand und Schneegipfel auf dem gleichen Bild! Die Berghänge waren von Ginster überwuchert, alles leuchtete in wunderschönem Gelb. In Christchurch kauften wir uns einen Campingofen für unseren Benzinkocher, wir brauchten unbedingt etwas Abwechslung im Menüplan. So konnten wir Brot, Kuchen, Wähen, ja sogar Pizzas backen! Danach fuhren wir ins Landesinnere durch eine karge Steppenlandschaft. In der Ferne konnte man Mt. Cook, mit 3700 m der höchste Berg Neuseelands, erkennen - wären nicht die grauen Wolken gewesen... Unser grösster Fehler war wohl, an die Westküste zu gehen. Es regnete nur noch, die Sonne bekamen wir nie zu Gesicht. Vom Regenwald sahen wir nur die erste (Wort-)Hälfte, auch die beiden Gletscher Fox und Franz Josef nahmen wir nur im Nebel wahr. Zudem hatten wir noch Pech mit den Felgen, bei Claudias Rad musste ich kurz hintereinander beide auswechseln. In Nelson, am Nordende der Südinsel, ruhten wir uns eine Zeit lang aus. Wir waren auf einem schönen Zeltplatz und brachten unsere Ausrüstung wieder auf Vordermann. Unglaublich, was mit der Zeit alles kaputt ging! Seit Monaten waren wir ständig am Flicken und Improvisieren, wir brauchten Unmengen von Draht, Leim, Schrauben und Klebeband. Wer hätte schon gedacht, dass ein Zeltreissverschluss kaputt gehen könnte? Mit Sekundenkleber leimte ich die losen Glieder wieder an die richtige Stelle, und mit der Zange drückte ich den Läufer zusammen. Mit Draht befestigten wir gebrochene Gepäckträger, schienten mit Schlauchbriden und langen Schrauben gerissene Metallrohre, leimten mit Zweikomponentenkleber gespaltene Felgen, die Liste liesse sich fast beliebig fortsetzen. | ||||
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