Malaysien
25. Oktober 1994 - 30. Dezember 1994, km 14'100 - 16'050

Kaum war die Grenze nach Malaysien überschritten, hatten wir ein besseres Gefühl. Irgendwie waren wir beide froh, Thailand verlassen zu haben. Es ist komisch, es gibt einfach Länder oder Regionen, wo man sich wohler fühlt als anderswo. Man weiss zwar nicht genau warum, aber es ist einfach so. Vielleicht lag es an den Leuten, die viel ruhiger und zurückhaltender waren als die Thais, vielleicht auch an der besonderen Mischung aus Malayen, Chinesen und Inder.

Moschee
Moschee

Über Penang gelangten wir zur Hauptstadt Kuala Lumpur, wo drei Tage später auch meine Eltern landeten. Mit unseren neuen, massgeschneiderten Anzügen aus Bangkok holten wir sie am Flughafen ab. Sie staunten nicht schlecht, als sie uns sahen. Sie hätten zwei eher verlumpte Gestalten erwartet, sagten sie uns später. Es war ein tolles Wiedersehen nach vierzehn Monaten Reise. Wir verbrachten unvergessliche Tage in den Teeplantagen der Cameron Highlands, in Penang und am herrlichen Strand von Pantai Kok auf Langkawi.

Nachdem die Eltern abgereist waren, bereiteten wir unsere Weiterreise vor. Wir fanden einen kleinen Fahrradladen, der Radhosen verkaufte. Nachdem wir sie gewaschen hatten, hängten wir sie im Hotel bei der Hintertreppe auf. Am andern Morgen waren die meinen verschwunden. In zweieinhalb Jahren war dies das einzige, was uns gestohlen wurde! Dafür freute sich der Mann im Fahrradladen um so mehr, als wir nochmals auftauchten.

Von Melaka aus fuhren wir nach Mersing an die Ostküste. Etwas ausserhalb fanden wir eine sehr gemütliche Herberge direkt am Meer. Ramli, der Besitzer, hatte zwölf Jahre in der Schweiz gelebt, war mit einer Schweizerin verheiratet gewesen und sprach mit einem lustigen Akzent Schweizerdeutsch. Er verwöhnte uns jeden Abend mit einem phantastischen Festmenü, weshalb wir eine ganze Weile dort hängen blieben. Wir lernten Günter aus Österreich kennen, der sich selber ein Segelboot bauen wollte.

Raffles Hotel, Singapur
Raffles Hotel, Singapur

Auf dem Weg zurück nach Penang an die Westküste fing der grosse Reifenverschleiss an, innerhalb einer Woche zerplatzten drei Stück. Tja, Reifen "Made in China", da stimmte wohl die Gummimischung noch nicht so recht. Auf jeden Fall mussten wir für das letzte Stück den Bus nehmen, da wir keine Ersatzreifen mehr hatten, und ich ausserdem einen Riss in der Hinterfelge entdeckte. In Penang machten wir Frühlingsputz, alles, aber auch wirklich alles wurde gewaschen, geflickt, gereinigt und geölt. Alleine für die Räder brauchten wir zwei volle Tage.

Den Heilig Abend verbrachten wir mit Andi und Simone aus der Schweiz in einem Restaurant. Die Party erinnerte mich aber eher an Silvester denn an Weihnachten. Beim Lotto gewann ich sogar eine Uhr, Claudia schaffte es nur bis zum Bierglas und war den ganzen Abend neidisch auf mich. An Weihnachten wurden wir um zehn Uhr mit Riesenlärm aus den Federn geholt. Die Chinesen feierten diesen Tag mit einem riesigen Umzug mit Musikkapellen, Fahnenträgern und Drachentänzern. Es war ein Höllenspektakel und eine Augenweide, endlich konnte ich Drachentänzer fotografieren.

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