Italien

Nach dem ganzen Abschiedsstress in der Schweiz und all den Vorbereitungen setzten wir uns in Sissach in den Zug. Nur wenige Leute hatten uns zum Bahnhof begleitet: meine Eltern, meine Schwester Lisa mit ihren Kindern und ein paar gute Freunde. Wir konnten es selber kaum fassen, es war soweit! Wir hatten keinen Job mehr, keine Wohnung, keine Möbel - rein gar nichts. Welch ein Gefühl! Unser einzig Hab und Gut waren die Räder und was wir am Leib trugen.

Vor den Olgs in Australien

Stumm verbrachten wir die Zugfahrt in den Süden, beide hingen wir unseren eigenen Gedanken nach. Würden wir es wirklich schaffen, oder hatten wir uns etwa zuviel vorgenommen? Wir waren frei, hatten keine Verpflichtungen mehr, konnten tun und lassen, was wir wollten. An sowas muss man sich zuerst gewöhnen. Geplant waren zwei Jahre oder eben solange, wie es uns Spass machte. Wir waren niemandem Rechenschaft schuldig, auch wenn wir nach zwei Wochen wieder Zuhause gestanden hätten.

In Chiasso stiegen wir aus, nahmen die Räder in Empfang und beluden sie. Wir hatten nicht gleich am Anfang über die Alpen radeln wollen. Unsere Idee war vielmehr gewesen, in der flachen Poebene ganz langsam anzufangen mit kurzen Etappen. So wollten wir unsere Kondition schrittweise aufbauen - wir hatten ja Zeit, alle Zeit dieser Welt. Wir mussten uns zuerst auch als Team einspielen. Wir hatten einen Monat vor der Abreise geheiratet, waren aber bereits viele Jahre befreundet und hatten auch schon lange zusammengelebt.

In San Piero trafen wir wie abgemacht meinen Bruder Hansueli. Wir waren fast alleine auf einem ruhigen Campingplatz in den Bergen und genossen einige herrliche Tage. Nach dem Abschied sind wir nun endgültig auf uns alleine angewiesen.

Mit unseren Fahrrädern geht es wirklich super. In Tagesetappen von durchschnittlich 70 km, je nach Wetter und Gelände, radeln wir durch die Gegend. Die meisten Zeltplätze haben bis Ende September geöffnet, sonst übernachten wir in Jugendherbergen.

Weniger lang als eigentlich geplant waren wir in Italien, bereits nach drei Wochen setzen wir mit der Fähre nach Griechenland über. Die Landschaft ist zwar schön, vor allem in den Bergen, doch die Leute sind nicht sehr freundlich uns Fremden gegenüber. Sowieso ist es komisch, alle Häuser sind eingezäunt und werden von Velofahrer fressenden Monstern bewacht: Attenti al cane - Vorsicht Hund - kann man fast an jedem Zaun entdecken. Hierzulande haben die Leute noch viel mehr Angst um ihr Eigentum als in der Schweiz. Einmal musste ich sogar einen solchen Wadenbeisser mit dem Pfefferspray ausser Gefecht setzen. In Italien wird man einfach zum Hundehasser!

Zurück     Weiter