Indonesien Teil 3: Nusa Tenggara
30. Dezember 1994 - 13. Mai 1995, km 16'050 - 20'250

Viele Leute hatten uns erzählt, wie paradiesisch Bali sei. Unsere Erwartung war dementsprechend hoch. Kurz gesagt, wir wurden bitter enttäuscht, vor lauter Touristen sah man die Einheimischen kaum, alles wurde bis zum Gehtnichtmehr vermarktet. Der einzige Höhepunkt waren die vielen Briefe auf der Post in Ubud.

Bali Drachen
Bali Drachen

Lombok, die nächste Insel, ist auf dem besten Weg, die genau gleichen Sünden und Fehler zu begehen wie ihre berühmte Schwester. Nach nur einer Nacht radelten wir weiter und setzten mit der Fähre nach Sumbawa über. Und siehe da, plötzlich war alles anders, ruhiger, gemütlicher, die Strassen waren wieder leer. Auch die Landschaft hatte sich geändert, sanft geschwungene Hügel lösten die Vulkane ab, kleine Fischerdörfchen die hektischen Städte. In den Reiseführern wird die Insel kaum erwähnt, die meisten Touristen fahren deshalb so schnell es geht durch - uns hat es prima gefallen, obwohl es keine Sehenswürdigkeiten gab.

Zwischen den Inseln Sumbawa und Flores liegt Komodo, wo die grössten Echsen der Welt, die Komodo Varane, leben. Doch erst mussten wir die tolle Überfahrt mit einer alten, rostigen, klapprigen Autofähre hinter uns bringen. Natürlich kam es so wie es kommen musste: es schüttelte und schaukelte grässlich, ohne Tabletten hätte ich wohl gekotzt wie ein Weltmeister. Unterwegs mussten wir in einen kleinen Fischkutter umsteigen, der uns an Land brachte. Die Varane werden bis zu drei Meter lang, wiegen 250 kg und leben 50 Jahre. Sie fressen Schweine, wilde Pferde, Hirsche und auch Menschen. Sie sehen eindrücklich aus, vor allem der gespaltenen Zunge wegen.

Fischerboot
Fischerboot

Am nächsten Tag tuckerten wir weiter nach Flores. Wie sich bald herausstellte, war es mit dem Radeln dort vorbei. Die Berge waren zu steil und die Distanzen zwischen den einzelnen Dörfern zu gross. So lernten wir die Busse kennen und hassen. Mit den Velos gab es keine Probleme, stundenlang aber in der Embryostellung in einem zu engen Sitz zu kauern bekam uns nicht.

Der eigentliche Höhepunkt nebst der tollen Landschaft ist der erloschene Vulkan Kelimutu mit seinen drei verschiedenfarbigen Kraterseen. Im Laufe der Zeit reagierten die Mineralien mit dem Wasser und färbten es. Im Moment ist es schwarz, türkisblau und dunkelgrün, früher war es rot, weiss und blau gewesen. Um vier Uhr in der Früh fuhren wir mit einem Lastwagen zum Gipfel hoch, so früh war Claudia an ihrem Geburtstag noch nie aufgestanden. Nach ein paar Stunden an den Seen wanderten wir ins Dorf zurück.

Kinder auf Flores
Kinder auf Flores

Die Fahrt mit einem alten, gerammelt vollen Schrottkahn zur Insel Timor war der reinste Horror. Unter einem Lastwagen machten wir es uns fürs erste gemütlich, aber nach zwei Stunden wurde das Meer unruhig, so dass alle Fahrzeuge festgezurrt werden mussten.

Mit der Dunkelheit wurden auch die Wellen immer höher, schon spritzte vereinzelt die Gischt an Bord, als plötzlich eine Riesenwelle auf uns zu schwappte. Alles und alle wurden nass, Leute kreischten. Sofort sprangen wir auf, wickelten uns Plastikfolien um die Schultern und setzen uns zwischen Kisten und Reissäcken in einen schmalen, höher gelegenen Durchgang. Es war eine grauenhafte Nacht, ständig wurden wir geduscht, an schlafen war nicht zu denken. Claudia zitterte und betete zu Gott, das Schiff möge nicht untergehen, während ich damit kämpfte, meinen Mageninhalt zu behalten. Alle atmeten auf, als es endlich wieder hell wurde und Land in Sicht kam.

Uns blieb fast eine Woche bis zum Flug nach Darwin, wir hatten also Zeit genug, um alles in Ruhe vorzubereiten. Das Salzwasser hatte seine verheerende Wirkung getan, die Räder sahen schrecklich mitgenommen aus. Auch das ganze übrige Gepäck und alle Kleider waren nass und stinkig. Mit waschen, Räder pflegen, Kleider aussortieren und faulenzen verbrachten wir einige Tage.

Marktfrauen
Marktfrauen

Wir heuerten für zwei Tage eine Führer an, der uns das Hinterland von Westtimor zeigte. Wir hatten gar keine Ahnung gehabt, wie schön es dort ist. Wir bedauerten, nicht mehr Zeit zur Verfügung zu haben, aber unsere Visum war fast abgelaufen und der Flug gebucht. Diese Insel - bei uns hauptsächlich wegen dem Konflikt im Osten bekannt - ist ein Geheimtip. Es fragt sich nur, wie lange noch.

Trotzdem wurde es für uns langsam Zeit, Asien den Rücken zu kehren. Wir hatten einfach genug vom Dreck, von der Armut, von den vielen Leuten und Kindern. Aber die 18 Monate in Asien waren die schönsten meines Lebens gewesen, keine Sekunde, kein Erlebnis und keine Erfahrung möchte ich missen.

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