Indonesien Teil 1: Sumatra
30. Dezember 1994 - 13. Mai 1995, km 16'050 - 20'250

Indonesien ist mit mehr als 200 Millionen Einwohnern das bevölkerungsmässig viertgrösste Land der Erde und das grösste moslemische überhaupt. Es besteht aus 13'677 Archipeln, erstreckt sich über 5120 km und besitzt mehr als 300 Vulkane.

Reisbäuerin
Reisbäuerin

Kurz vor Jahresende fuhren wir mit dem Schnellboot nach Medan auf der Insel Sumatra. Es war rauhe, stürmische See, die Velos befanden sich ganz vorne am Bug und bekamen literweise Salzwasser ab. Die ganze Putzerei in Penang war also vergebens gewesen, und am anderen Tag strahlten uns die Drahtesel fuchsrot entgegen. Wir ärgerten uns grässlich! Den Silvester verbrachten wir ganz alleine in der Dreckstadt Medan, unsere einzigen Gäste waren die Wanzen im Bett.

In Bukit Lawang besichtigten wir Orang Utan Affen, danach radelten wir nach Norden der Küste entlang. Nach vier Monaten im Flachland freuten wir uns auf die Berge, die dann aber so steil waren, dass wir nur noch schieben konnten. Doch bevor wir uns im Dschungel verloren, ruhten wir uns am Tawarsee aus inmitten einer wunderschönen Landschaft. Es folgten anstrengende, abenteuerliche Tage durch dichten Dschungel. Bei jedem Geräusch vermutete Claudia einen Tiger - die gibt es in dieser Gegend - und wir hörten wirklich auch viele uns unbekannte, fremdartige, sonderbare Laute, die wir oft nicht einordnen konnten. Wir sahen viele Affen, Paradiesvögel, Schlangen, Riesentausendfüssler und Claudia hinter jedem Gebüsch einen Tiger.

In Ise-Ise, einem kleinen Ort mit drei Häusern und einigen Soldaten, fanden wir Unterschlupf, mitten im dichtesten Dschungel. Am andern Tag folgte dann der steilste aller Pässe. Bald hörte die Teerstrasse auf und wich einer aufgeweichten Piste, da es die ganze Nacht geregnet hatte. Bald kämpften wir uns durch die ersten Erdrutsche, Erinnerungen an Tibet wurden wach. Insgesamt mussten wir zwei grosse Erdrutsche meistern, wonach wir wie die Schweine aussahen. Die Farbe unserer Velos konnte man nur noch ahnen, geschweige denn diejenige der Packtaschen.

Erdrutsch
Erdrutsch

Nach diesem unmenschlichen Pass ging es genau so steil runter, wie es vorher hoch gegangen war, wahrscheinlich hatte ein Hobbygärtner diese Strasse gebaut. In einer bemoosten Kurve stürzte Claudia, verletzte sich zum guten Glück aber kaum. Der Helm hatte den Aufschlag des Kopfes bravourös aufgefangen, sie trug nur eine schmerzhafte Prellung am Bein davon. Oft schon hatten wir den Helm verflucht, aber es nie gewagt, ihn auszuziehen.

Bevor wir an diesem Abend die Stadt Blangkejeren erreichten, wuschen wir die Velos in einem Bach, und siehe da, plötzlich verwandelten sich unsere fahrenden Lehmhaufen wieder in Fahrräder! In der Stadt fanden wir ein gemütliches Losmen, eine Herberge, deren Besitzer Mr. Osman Radfahrer ganz besonders begrüsste. Es gab einen kleinen, schönen Markt, wo die Batakfrauen aus den umliegenden Dörfern ihre Waren feil hielten. Sumatra blieb uns sowieso als Insel der tollen Märkte in Erinnerung, die meistens besonders bunt und eindrücklich waren.

Der Tobasee ist der grösste See von ganz Asien. Er ist vor 75'000 Jahren nach einer unvorstellbaren Vulkanexplosion entstanden. Wir blieben einige Tage auf der Insel Samosir, wo wir ein tolles Chalet direkt am Ufer hatten.

Tobasee
Tobasee

Am Freitag fand eine Hochzeit statt, wofür eigens ein Wasserbüffel geschlachtet wurde. In riesigen Töpfen wurde das Fleisch gekocht, es stank fürchterlich, wir assen keinen Bissen davon. Die Toba Batak sind Christen, deshalb fand die Zeremonie in der Kirche statt. Die Predigt dauerte gut zwei Stunden und wurde sehr enthusiastisch zelebriert. Nach der Messe warteten etwa 1000 Leute im Dorf. Als das Essen ser-viert wurde, schlichen wir uns davon, schliesslich hatten auch wir Hunger!

In Tuk Tuk Timbul wurde Claudia krank. Sie hatte Durchfall und musste erbrechen. Schon vorher hatten wir leichte Probleme gehabt: Kopfschmerzen, Sehstörungen und mehr. Langsam kam der Verdacht auf, dass dies Nebenwirkungen von Lariam seien. Wir nahmen diese Tabletten als Malariaprophylaxe, hatten aber schon viel Schlechtes gehört. Wir wurden unsicher und mussten genau das Risiko abwägen. Als es einige Tage später auch mich erwischte, setzten wir die Tabletten sofort ab.

Reisfelder
Reisfelder

Wir waren nun schon so lange geradelt und hatten kaum andere Radfahrer getroffen, und eines Tages begegnen uns gleich drei Stück. Mit Lucia und Peter verbrachten wir einen lustigen Abend und tauschten viele Tipps aus. Wir begeisterten sie von der Traumroute durch Tibet, sie erzählten uns von Australien und Neuseeland.

Die 500 km lange Fahrt nach Bukittinggi war schön, vor allem schön anstrengend. Wir verbrachten fast zwei Wochen in einem verwanzten, dafür billigen Hotel mit essen, schlafen, Briefe schreiben und faulenzen. Eine Schlechtwetterperiode liess keine längeren Ausflüge zu, ausserdem mussten wir auf die Post aus der Schweiz warten. Auf dem Postamt herrschte ein regelrechtes Durcheinander. Wir fanden postlagernde Briefe, die schon zehn Jahre dort lagen!

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