Indien Teil 5: Fahrt nach Nepal
18. November 1993 - 2. Mai 1994, km 2300 - 8300

Die 18-stündige Zugfahrt nach Madras verlief problemlos, auch die Räder kamen gut an. Wir schliefen in einem engen 6er Abteil. Die Fahrt zurück nach Delhi war dann etwas bequemer, weil wir uns ein Zweierabteil gönnten.

Wir verbrachten zwei herrliche aber sehr kurze Wochen mit meiner Schwester Lisa. Die darauf folgenden Tage widmeten wir den Velos, es gab sehr viel zu tun. Für Einspeichen und Zentrieren der neuen Felge brauchte ich gute sechs Stunden.

Danach gingen wir per Bus zurück in den Punjab zu unseren Freunden, wo die Vorbereitungen für Puntees Hochzeit bereits auf vollen Touren liefen. Er hatte extra wegen uns seine Hochzeit vorverschoben, damit wir als Ehrengäste am Fest teilhaben konnten. Am Freitag und Samstag fanden einige Vorzeremonien statt, hauptsächlich Gesänge und Gebete. Alle Verwandten schliefen irgendwo im Haus oder bei den Nachbarn, drei Tage lang. Am Abend wurde Whisky aufgetischt, dazu fetzte laute Punjabimusik aus den Lautsprechern, es wurde getanzt und gefeiert.

Am Sonntag früh gings per Bus ins Dorf der Braut, wo die eigentliche Hochzeitszeremonie stattfand. Aber erst wurde gefrühstückt. Unter einem grossen Zelt sass der Sikhpriester vor dem heiligen Buch, Braut und Bräutigam ihm gegenüber. Nach endlosen Gesängen und Gebeten marschierte das Paar viermal ums heilige Buch, danach waren sie Mann und Frau! Es folgten Geldgeschenke, Gratulationen und ein üppiges Essen. Zurück im Dorf wurde erst mal die Braut begafft und begutachtet, danach wurde bis spät in die Nacht hinein gefeiert.

Mit Ayodhya besuchten wir eine weitere heilige Stadt der Hindus am Ganges. Dort war es anfangs der 90er Jahren zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen Moslems und Hindus gekommen, als eine Moschee abgerissen und an ihrer Stelle ein Hindutempel errichtet werden sollte. Inzwischen war aber wieder Ruhe eingekehrt, und Ayodhya blieb uns als eine schöne Stadt mit hunderten von Tempeln in Erinnerung, wo wir den heiligen Ritualen der Hindus beiwohnen durften.

Einen Tag später passierte das Unglück. Claudia und ich erlitten einen Hitzschlag, nachdem wir fast zwei Stunden lang in der allergrössten Mittagshitze ein Hotel gesucht hatten. 30 Stunden verbrachten wir im Delirium auf dem Bett und auf der Toilette, es war fürchterlich. Nach drei Tagen waren wir wieder einigermassen fit. Die Hitze wurde langsam extrem, bis gegen 40 Grad kletterte das Thermometer. Schlimm wurde es, wenn der Strom ausfiel und mit ihm der Ventilator. Leider passierte das in Indien fast täglich.

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