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Indien Teil 3: Gujarat und Goa
18. November 1993 - 2. Mai 1994, km 2300 - 8300
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Nachdem wir viel zu lange in der Wüste bei unfreundlichen Leuten umherirrten, wollten wir endlich unsere Fudis in den weissen Sand eines Palmenstrandes stecken. Aber eben, Indien ist riesig, wir mussten noch viele Schweisstropfen wegwischen, bevor es soweit war. Nach Rajasthan mit seiner Wüste kamen wir in den friedlichen Bezirk Gujarat, wo die Leute auf einen Schlag sehr freundlich wurden. Man kann sagen, dass sich mit der Landschaft, welche wieder grün wurde, auch die Leute änderten. Wir hatten die Einöde satt und genossen die flache, aber trotzdem beruhigend farbige Landschaft.
Pilger
Als wir eines Nachmittags müde und verschwitzt in einem kleinen Provinznest ein Hotel suchten, staunten wir nicht schlecht. Wie üblich stellten wir die Räder am Hoteleingang ab, ich ging das Zimmer anschauen, während Claudia die Bikes bewachte. Als ich von der Veranda des zweiten Stocks runter sah, traute ich meine Augen kaum, etwa hundert Leute drängten sich um den Hoteleingang. Sie hatten wohl noch nie eine weisse Frau in kurzer Radelhose gesehen. Wir waren die totale Attraktion, am Abend bot uns sogar ein Mann ein Interview im Lokalsender an. Dankend lehnten wir ab. Ein andermal, weiter unten im Süden, hielten wir bei einer Menschenmenge an, wo einige Artisten auf dem Dorfplatz eine Vorstellung gaben. Es verging keine Minute, bis alle Leute um uns und die Velos standen, niemand interessierte sich mehr für die Künstler. Schnell suchten wir das Weite, wir wollten keinem die Show verderben. Aber die Leute sind nicht aufdringlich, nur sehr interessiert und neugierig. In der 3,5 Mio. Metropole Ahmednagar ruhten wir uns ein paar Tage aus, liessen unsere Dias entwickeln, überprüften die Velos und füllten unsere Vorräte auf. Weiter gings in 120 km Etappen in Richtung Süden, wobei wir einen Bogen um Bombay machten. Nach dem Flachland kamen wir in die Hügel und in die Hitze. Es ist wirklich sehr heiss, am Tag hat es immer über 30 Grad, die Sonne brennt extrem. Schlimm ist es in den Bergen, wenn es nirgends Schatten hat. Claudia bindet sich immer ein Tuch um den Kopf, sie sieht aus wie ein Seeräuber. Wir sind froh um unsere Helme, sie bieten einen guten Schutz, ohne sie kommen wir uns fast nackt vor. Bei den Höhlen von Ellora haben Buddhisten, Hindus und Jains riesige Höhlen und Grotten aus dem Fels gehauen. Das Eindrücklichste war aber der Kailasan Tempel, der aus einem einzigen Stück Felsen besteht. Er wurde von oben her aus dem Fels gehauen. Die spinnen, die Inder!
Sonnenuntergang in Goa
Danach gings im Eiltempo nach Goa ans Meer. Kurz vorher sahen wir das erste Mal den Indischen Ozean. In einem kleinen, friedlichen Fischerdorf übernachteten wir in einem gemütlichen Gasthaus an einem riesigen Strand, den wir ganz für uns alleine hatten. Es war einfach super, ein Traum war wahr geworden. Wir konnten die Fischer beobachten, wie sie ihren Fang den am Strand wartenden Frauen brachten. Wir machten den Fehler, dass wir viel zu früh von dort weggingen. In Goa selber war alles anders. Hier hatte es tausend Touristen, vor allem viele Freaks und Chaoten. Es wurde elendiglich viel gekifft und gesoffen, ab und zu traf man einen Althippie, der seit 68 hier lebt. Ausserdem war alles zwei- bis dreimal teurer als sonstwo. Goa hatte überhaupt nichts mit dem Indien zu tun, welches wir bis anhin kannten. Wir fühlten uns eher wie irgendwo an der Riviera am Mittelmeer. Die Leute spazierten halbnackt herum, umarmten sich, küssten sich in aller Öffentlichkeit, alles Dinge, die nirgends sonst in Indien toleriert würden. Uns gefiel es nicht besonders, wir wollten uns bald wieder die einsamen und ruhigen Plätzchen suchen, wo es nicht mehr viele Touristen hatte. Der schönste Strand in ganz Goa war Colva Beach - herrlicher, weisser Sand, Kokospalmen, gemütliches Zimmer direkt am Strand, gutes Essen, billiges dafür grässliches Bier für 20 Rupees die Flasche - was will man mehr? Doch nach ein paar Tagen faulenzen wurden wir unruhig, wir wollten ganz nach unten bis an die Südspitze. In Karwar, 100 km unterhalb Goas, hatte es auch schöne Strände. Bei genauerem Hinsehen entpuppten sich diese aber voller Menschenscheisse. Am andern Morgen, als wir losfuhren, bot sich uns ein tolles Bild: reihenweise kauerten die Inder am Strand und kackten fröhlich in den Sand. Uns verging die Lust am Baden! | ||||
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