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Indien Teil 2: Rajasthan
18. November 1993 - 2. Mai 1994, km 2300 - 8300
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Schon drei Tage sind wir nun in Barmer festgenagelt, nachdem es diesmal mich mit einem heftigen Durchfall erwischt hat. Zum guten Glück sind wir in einem schönen Hotelzimmer mit Fernseher untergebracht. So schauen wir viel BBC und Star TV, eine Art RTL für Asien. Ein gutes Hotel kostet in Indien zwischen 100 - 400 Rupees, also etwa 5 - 20 Franken. Es gibt aber auch Rattenlöcher für 50 Rupees, dort sind die Wanzen jedoch meist mit inbegriffen.
Bäuerin in Rajasthan
Ein Essen für zwei kostet etwa 70 - 200 Rupees (3.50 - 10 Franken), man kann aber auch für nur 25 Rupees essen. Auf die Dauer lohnt sich dies ganz bestimmt nicht, man muss nur mal einen Blick in eine solche Küche werfen. In den billigen Lokalen wird das Essen in grossen Töpfen auf offenem Feuer an der frischen Luft draussen zubereitet, womit natürlich der ganze Dreck und Staub im Essen landet. Wir haben unsere liebe Mühe damit. Die indische Küche ist sehr gut, meist vegetarisch und extrem scharf. Das ginge ja noch, aber die mangelnden hygienischen Zustände bereiten uns die grössten Probleme. Mit dem Velo kommen wir eben gerade auch durch die ländlichen Gebiete, die bezüglich Hygiene wirklich zu wünschen übrig lassen. Als Schwerarbeiter müssen wir jedoch genügend essen, damit wir nicht vom Hocker fallen. Ausser Biskuits, Toast, Früchten und Schokolade gibt es nicht viel zu kaufen. Am meisten fehlen uns Brot und Milchprodukte, manchmal träumen wir von einem guten Fondue oder einem saftigen Steak. So essen wir eben tonnenweise Biskuits und Früchte, es bleibt uns gar nichts anderes übrig. Ab und zu entdecken wir ganz gute Sachen, so etwa eine Art Griessköpfli in Delhi, Omeletten, gekochte Kartoffeln oder Pakora, ein Linsen-Kartoffelgemisch. Man weiss einfach nie, ob das Essen gut war, dies kommt immer erst am andern Tag aus, wenn der Magen noch normal funktioniert. Inzwischen haben wir unsere Tagesleistung auf über 100 km gesteigert, der Rekord liegt bei 126 km. Das heisst, wir sitzen pro Tag fünf bis sieben Stunden im Sattel, Pausen nicht mit eingerechnet. Auf dem Tourist Camp in Delhi trafen wir Clemens aus Deutschland an, der kurz zuvor mit seinem Fahrrad neu angekommen war. Für die folgenden zwei Wochen war er unser Reisegefährte. Wir hatten viel Spass miteinander. Zuerst gingen wir nach Agra, um den Taj Mahal zu besichtigen, ein extrem eindrückliches Mausoleum aus schneeweissem Marmor. Bei Sonnenaufgang bietet es einen besonders tollen Anblick. Doch es hat sehr viele Touristen dort, fast alle, die nach Indien gehen, besichtigen den Taj Mahal. Auch die Taxi- und Rikschafahrer sind sehr aufsässig, das gleiche gilt für die Souvenirverkäufer. Und alle wollen sie einen bescheissen mit völlig überrissenen Touristenpreisen. Am Stephanstag gingen wir gegen Abend spazieren, es wurde dunkel und wir fanden unser Hotel nicht mehr. Also nahmen wir uns eine Rickscha, handelten den Preis von 20 auf 10 Rupees runter und merkten viel zu spät, dass wir nur etwa 100 m vom Hotel entfernt waren. Ein Inder hätte für diese Strecke vielleicht einen halben Rupee bezahlt! Dann radelten wir zur dritten Station des Touristendreiecks Delhi - Agra - Jaipur, wo wir das neue Jahr in Empfang nahmen. Jaipur hat eine schöne Altstadt, alle Häuser sind aus rotem Sandstein gebaut. Im nahe gelegenen Amber Fort ritten wir auf einem Elefanten einen steilen Hügel hoch, Claudia riss mir aus lauter Angst fast den Arm ab. Es schaukelte wie auf einer Hochseeyacht, war sehr unbequem aber ein tolles Erlebnis.
Jawa Mahal, Jaipur
Auf dem Weg nach Agra schmissen uns Kinder die ersten Steine nach, alle stehen sie am Strassenrand und betteln um Kugelschreiber, Schoggi oder Geld. Andere wiederum schneiden uns mit ihren Velos extra den Weg ab, jedoch bin ich im Ausbremsen inzwischen Weltmeister. Manchmal blockieren sogar Frauen und Männer die Strasse, indem sie einander die Hände halten. Dann heisst es Kopf runter, Gas geben, wie ein Irrer mit der Klingel bimmeln und voll auf die Leute zufahren. Früher oder später gehen sie immer weg. Man darf nie anhalten, sonst ist man ein leichtes Ziel für die Steine. Dies tönt alles ein bisschen brutal, aber wir sind inzwischen recht abgehärtet und wissen uns auf unsere Weise zu wehren. Das gleiche gilt für die Bettler, man darf keinem was geben, sonst wird man zur Zielscheibe. Clemens musste einmal fast um sein Lebe rennen, nachdem er einem Kind Geld gegeben hatte und alle andern auf ihn zu rannten. Den Kindern geben wir Früchte, wenn wir überhaupt was gaben. Unsere nächste Station war Pushkar, ein kleines, schönes Pilgerstädtchen, wo im November jeweils Indiens grösster Kamelmarkt stattfindet. Ausserdem ist es nach Goa wohl Indiens grösstes Freakzentrum. Wir fanden sogar eine deutsche Bäckerei, dort schlugen wir uns die Bäuche voll mit Gipfeli, Brötchen und Kuchen. Welch eine gute Abwechslung zum trockenen Toast! Wir trennten uns von Clemens, und radelten nach Jodhpur, einer schönen Stadt mit einem imposanten Fort am Rande der Wüste Thar. Drei Tage und mehr als 300 km später trafen wir in der Wüstenstadt Jaisalmer ein. Da es letzten August hier schwere Regenfälle gegeben hatte, war die Wüste relativ grün, wir hatten sie uns ganz anders vorgestellt. Auch wir erlebten einen kalten und grauen Regentag in der Wüste. In Jaisalmer logierten wir in einem alten, reich verzierten Haveli, in welchem immer noch die Nachfahren des Erbauers wohnten. Früher wohnten wichtige Persönlichkeiten und Kaufleute in solchen Havelis, reich verzierten Häusern aus honigfarbenem Sandstein. Die meisten Touristen gehen auf Kamelsafari, wir haben uns jedoch sagen lassen, dass dies sehr unbequem sei. Ausserdem haben wir unsere eigene Safari mit kamelähnlichen Drahteseln. Wir ruhten uns deshalb aus und relaxten zwei Tage lang. Bis mich dann zwei Tagesreisen später in Barmer oben erwähnter Durchfall heimsuchte. Claudia und ich wollen endlich ans Meer unter die Palmen am Sandstrand liegen. Den Velos geht es recht gut, nur die vorderen Gepäckträger machen Schwierigkeiten, es vibriert des öfteren das Befestigungsblech ab. Nach dem drittenmal Schweissen hoffen wir, dass es nun endlich hält. Aber manchmal müssen wir auf jämmerlichen Strassen fahren, kein Wunder, dass da die Räder leiden. | ||||
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