Griechenland
29. September 1993 - 25. Oktober 1993, km 950 - 1800

Griechenland zeigte sich von seiner schönsten Seite. Das Wetter war absolute Spitzenklasse, jeden Tag Sonnenschein mit Temperaturen um die 30 Grad. Aber auf Kreta war die Hitze fast unerträglich, besonders Claudia litt darunter.

Alles ist sehr dreckig hier. In Sachen Umwelt- und Naturschutz sind die Griechen noch ein paar Jahrzehnte hinter unserem Standard zurück. Alles wird einfach aus Auto und Zug in den Strassengraben geschmissen, überall liegen Büchsen und Gerümpel. Auch diese vielen toten Tiere jeglicher Art und jeglichen Zustandes, von frisch überfahren bis gegerbtes Leder, es ist wirklich alles zu finden. Es stinkt fürchterlich! Dafür hat es viele tolle Strände, und das Meer dünkt einen sauber, obwohl man das ja nie so genau sagen kann. Das Wasser ist noch wunderbar zum Baden, zwar nicht mehr gerade heiss, aber sehr angenehm nach einem anstrengenden und heissen Tag.

Athen ist eine lebendige und pulsierende Stadt, uns hat sie fasziniert. Nach einer sehr negativen Erfahrung mit dem Leiter der Jugendherberge, welchen wir fortan nur noch AVA (Arschl... von Athen) nannten, verzogen wir uns auf einen Zeltplatz am Stadtrand. Ausser auf der Akropolis und in den Museen hatte es nicht mehr viele Touristen. Deshalb wurde man manchmal fast in die Souvenirshops reingezerrt. Überall boten sie denselben Schrott feil, zum Besipiel griechische Vasen "Made in China" und so weiter.

Hier findet man noch Läden, die es in der Schweiz schon lange nicht mehr gibt: Schrotthändler, Schuhmacher, Stoffhändler, Leder- und Metallwaren, Werkzeugläden und so fort. Alle Geschäfte des gleichen Typs sind jeweils in einer Strasse oder demselben Quartier zu finden. Am Stadtrand hat es unendlich viele Zweirad- und Autohändler. Noch nirgends habe ich so viele Zweiräder gesehen wie hier, aber alle mit Motor. Sie stinken und lärmen fürchterlich! Man sieht viele Paare auf diesen Vehikeln, die Frau im Damensitz hinten drauf und alle ohne Helm. Helme scheint es hier seit den Römern bzw. alten Griechen keine mehr zu geben.

In den Bergen auf dem Peloponnes waren wir meistens alleine, nur bei den bekanntesten Sehenswürdigkeiten wie Epidauros und Mykenae gab es vereinzelt Leute. Wir meisterten unseren ersten richtig steilen Pass, der uns auf 1100 m führte, mit vielen Serpentinen und einer langen Abfahrt. Eigentlich wollten wir an diesem Tag bis ans Meer, es lag jedoch nochmals eine Hügelkette davor. Da wir beide aber schon halbtot waren und fast von den Rädern runterfielen, stellten wir unser Zelt in die Pampa. Nach einem guten, selbst gekochten Nachtessen gingen wir infolge Wassermangels ungewaschen und ohne Zähneputzen um halb Acht in den Schlafsack.

Wenn wir gewusst hätten, was uns auf Kreta erwartet, wären wir nicht dorthin gegangen. Kreta ist fest in deutscher Hand, es braucht den Vergleich mit Rimini nicht zu scheuen. Das meistgebrauchte Wort ist RENT, rent a car, rent a room... fürchterlich! Es hat noch so viele Touristen hier, unvorstellbar wie es in der Hauptsaison zu und her gehen muss. Man trifft auch viele Radfahrer, bisher waren wir immer die einzigen Spinner gewesen.

Leider hatte auf Rodos kein Zeltplatz mehr offen, wir mussten wild zelten. Am Sonntag erkundigten wir uns im Hafen nach der Fähre in die Türkei, und bereits am anderen Tag fuhren wir mit einem Tragflächenboot rüber nach Marmaris.

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