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Chile/Argentinien Teil 3: Carretera Austral
23. Dezember 1995 - 22. März 1996, km 30'550 - 33'250
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Beim Lago Buenos Aires, dem zweitgrössten See Südamerikas, wechselten wir wieder hinüber nach Chile. Vor uns lag die wilde Carretera Austral. Zuerst aber mussten wir den See mit einer kleinen Autofähre überqueren. Eigentlich hätte ich es mir denken können, es kam wie jedesmal, wenn wir mit dem Schiff fuhren. Es stürmte und schaukelte und windete und sprizte Wasser an Bord, am Schluss waren wir durchnässt und zitterten wie die Schlosshunde. Zum guten Glück war die Fahrt nicht so lange gewesen, sonst wäre es mir bestimmt wieder schlecht geworden.
Farm bei Coyhaique
Die Carretera Austral war rauh, steil und windig. Wir hatten eigentlich gehofft, endlich im Windschatten der Berge zu sein, aber dem war nicht so. Kurz vor Coyhaique, wir wollten die 75 km bis in die Stadt fahren, windete es derart fest, dass man ohne eigenes Zutun einfach im Strassengraben landete. Auf ebener Strecke musste Claudia ihr Fahrrad sogar schieben, die Böen liessen keine vernünftige Fahrweise mehr zu. Man kann sich nicht gegen die Natur stellen, höchstens für ganz kurze Zeit vielleicht, sie ist einfach stärker! So stellten wir kurzerhand unser Zelt an einem windgeschützten Ort auf und fuhren am nächsten Tag die Strecke in kurzer Zeit ganz ohne Wind. In Coyhaique war es an der Zeit, eine längere Pause einzulegen, denn es mussten allerlei Dinge erledigt werden. Uns gefiel die Gegend gut: braungrüne Wiesen, Wälder, vereinzelne Gehöfte und viele abgestorbene, gefällte Bäume. Diese rührten von den vielen Brandrodungen der Siedler und Waldbränden her. Wir campierten bei einer billigen Hospedaje (Unterkunft) am Stadtrand, wo wir gleich ein paar Amerikaner und Schweden kennen lernten. Mit ihnen zusammen verbrachten wir ein paar nette Abende und wurden auch von jungen Chilenen eingeladen. Der Besitzer der Hospedaje, ein Lehrer, wollte uns einen Spanischkurs andrehen, konnte uns aber trotz hartnäckigen Zuredens nicht dazu überreden. Dafür brachte er uns eine Schale Zwetschgen, als es einmal regnete und wir im Zelt sassen.
Gegend bei Futaleufu
Der zweite Teil der Carretera Austral war schön und vorallem schön feucht, eine ganze Woche lang bekamen wir die Sonne praktisch nie zu Gesicht. Landschaftlich und wettermässig erinnerte es uns stark an die Westküste der Südinsel Neuseelands. Von der oft recht rauhen Piste abgesehen, war das Reisen auf der Carretera einfach. In jeder noch so kleinen Ortschaft konnten Lebensmittel eingekauft werden, auch Brot war immer irgendwo aufzutreiben. An Wasser fehlte es sowieso nicht. Weil es soviel regnete, übernachteten wir auch oft in Hospedajes. Diese waren meist billig aber ziemlich einfach und selten beheitzt. Trotzdem genossen wir die urwüchsige, wilde Landschaft und campierten wann immer es ging wild. Erst bei Futaleufu wurde das Wetter besser, auf der argentinischen Seite war es dann wieder schön. | ||||
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