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Chile/Argentinien Teil 1: Patagonien
23. Dezember 1995 - 22. März 1996, km 30'550 - 33'250
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Südamerika, ein neuer Kontinent ruft! Wohlbehalten kamen wir in Santiago de Chile an. Es war bereits dunkel, als wir den Flughafen verliessen, deshalb nahmen wir ein Taxi in die Stadt hinein. Erinnerungen an Indien wurden wach, doch inzwischen liessen wir uns nicht mehr so leicht übers Ohr hauen. Wir blieben zwei Wochen in Santiago, einerseits um uns ein wenig an den neuen Kontinent, die neue Sprache, die Leute und Gebräuche zu gewöhnen, andererseits um den Besuch meiner Eltern vorzubereiten. Zusammen mit ihnen verbrachten wir eine wunderschöne Woche im Cajon de Maipo am Fusse der Anden. Dort mieteten wir uns ein Ferienhäuschen mit Schwimmbad, und wir liessen es uns sehr gut gehen.
Schotterpisten
Danach flogen wir nach Punta Arenas runter, von wo aus wir die lange Strecke nach Norden in Angriff nahmen. Wir merkten bald, worauf wir uns da eingelassen hatten, Patagonien ist ja berühmt für seine brutalen Winde. Mühsam kämpften wir uns die 240 km bis nach Puerto Natales gegen den Wind vor. Einmal begann es zu regnen, so stellten wir bereits am Mittag das Zelt auf, um trockene Zeiten abzuwarten. Claudia backte ein Brot und ich flickte den Velocomputer, wobei die Ahle meines Taschenmessers als Lötkolben fungierte, der mittels Kocher gewärmt wurde. Wir hatten uns schon schlafen gelegt, als plötzlich der Wind um 90 Grad drehte. Saudumm war das, denn unser Tunnelzelt war nur stabil, solange es in Windrichtung stand. Der Sturm dauerte eine halbe Stunde und war so stark, dass einzelne Zeltheringe sogar ausgerissen wurden. Claudia und ich zitterten, jeder stützte eine Zeltstange ab in der Hoffnung, sie möge nicht brechen. Zum guten Glück hielten sie stand, auch dem zweiten Sturm, der um zwei Uhr in der Früh über unser Zelt hinwegfegte.
Morgenstimmung nach dem Sturm
In Puerto Natales ruhten wir uns bei Werner aus, einem Schweizer, der dort eine gemütliche Herberge führt. Die Stadt selber ist Ausgangspunkt für den berühmten Nationalpark Torres del Paine, es hatte dementsprechend viele Touristen. Wir hatten keine Lust, in dieser aus spitzen Berggipfeln, wilden Seen, rauschenden Bächen und riesigen Gletschern bestehenden Landschaft wandern zu gehen. Wir bereiteten uns mental auf die nächsten tausend Kilometer vor, die, von ein paar kurzen Teerstücken abgesehen, auf rohen Schotterpisten durch eine endlose, windige Pampa führten. Als wir nach Argentinien über den Zoll gehen wollten, ging meine Hinterradfelge kaputt. So setzten wir uns zum Autostopp an den Strassenrand, und schon nach einer Stunde nahm uns ein Lastwagen mit zurück nach Puerto Natales.
Puerto Natales
Um die gleiche Strecke nicht doppelt fahren zu müssen, nahmen wir den Bus zurück an die Grenze, wo die Felge gebrochen war. Als der Bus schon wieder weg gefahren war, bemerkte Claudia, dass sie ihren Rucksack im Bus vergessen hatte. Der Bus kam aber erst am Abend wieder zurück. Wir benachrichtigten einen Polizisten beim Grenzposten, der über Funk das Hauptquartier des Nationalparks verständigte, welches wiederum dem Busfahrer Bescheid gab. Zum Glück gab es ein geheiztes Café, wo wir die sieben Stunden abwarten konnten. Um drei Uhr kam der Bus mitsamt Rucksack, doch fehlte eine der drei nigelnagelneuen Sigg Trinkflaschen. Dies war der Preis, den Claudia für ihre Nachlässigkeit bezahlen musste. Danach zierte eine 1,5 Liter Colaflasche den leeren Halter am Fahrrad. | ||||
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