Australien Teil 1: Northern Territory
13. Mai 1995 - 20. Oktober 1995, km 20'250 - 27'750

In Darwin erlebten wir zum zweiten Mal einen Kulturschock. Wo waren denn all die Leute geblieben? War hier eine Atombombe niedergegangen? Wir mussten uns erst wieder an die westliche Zivilisation gewöhnen. Alles war so schön sauber und ordentlich und enorm teuer! Vorbei war aber auch die Angst vor verseuchtem Trinkwasser, verdorbenem Essen, Durchfall und gefährlichen Krankheiten.

Termitenhügel
Termitenhügel

Nach einer zweiwöchigen Angewöhnungszeit auf einem Zeltplatz ausserhalb Darwins machten wir uns auf den Weg gen Süden. Die Fahrräder waren generalüberholt worden und strahlten wieder wie neu.

Vor dem Kakadu Nationalpark fuhren wir mit einem Schiff den Adelaide River hoch. An einem langen Stock wurde an einer Schnur ein Stück Fleisch angehängt, damit wurden Krokodile angelockt. Die fleischfressenden Biester sprangen regelrecht aus dem Wasser empor, um nach dem Fleisch zu schnappen. Das Ganze war schon ein wenig zirkushaft, aber eindrücklich, denn man sah diese grässlichen Viecher in ihrer vollen Grösse. Fällt man aus Versehen ins Wasser, hat man nicht mal den Hauch einer Chance, lebend wieder raus zu kommen.

Aboriginals
Aboriginals

Im Kakadu Nationalpark erfuhren wir viel über die Kultur der Ureinwohner, den Aboriginals. 50'000 Jahre lang hatten sie im totalen Einklang mit der Natur gelebt. Dann haben die Weissen innerhalb von zweihundert Jahren fast alles zerstört. Das gibt einem schon zu denken. An den schrecklichen Folgen haben die Australier noch viel zu kauen, die Kluft zwischen Schwarz und Weiss ist nach wie vor unendlich tief.

Das andere prägende Ereignis - nebst der vielfältigen, wunderprächtigen Natur - war ein Radfahrer: Dani Birchler aus St. Gallen. Er hatte die Route Alaska - Feuerland hinter sich und feierte gerade seinen 50.000-sten Radkilometer. Zusammen verbrachten wir eine Woche in der Pampa, tauschten viele Tipps aus und erzählten einander die abenteuerlichsten Erlebnisse. Schon oft hatten Claudia und ich über eine Verlängerung unsere Reise diskutiert, nach Danis Schwärmerei stand unser Entschluss fest: Südamerika ruft!

Dani Birchler und Claudia
Dani Birchler und Claudia

Unser typische Radleralltag sah etwa so aus:

  • 06.00   Aufstehen, Frühstück, alles zusammenpacken
  • 07.45   Losradeln
  • 10.30   Erste Pause (halbe Stunde)
  • 13.30   Zweite Pause (halbe Stunde)
  • 15.30   Zelt aufstellen, Felddusche, lesen, Tagebuch etc.
  • 17.30   Kochen
  • 18.30   Einbruch der Dunkelheit
  • 19.30   "Gute Nacht Beat, gute Nacht Claudia"

Während unserer Durchquerung Australiens hatten wir mit allerlei Widerwärtigkeiten zu kämpfen: Fliegen, Moskitos, Hitze, Kälte, Gegenwind, Roadtrains - enorme Lastwagen, aus einer Zugmaschine und drei Anhängern bestehend - unendlichen Distanzen und Wüste.

Roadtrain
Roadtrain

Das riesige Innere Australiens ist praktisch menschenleer. Zwar führt der geteerte Stuart Highway mittendurch, aber Städte sind dünn gesät und die Distanzen beeindruckend. Dazwischen gibt es nur Wüste, Steppe, Pampa und weite, endlose Flächen - einfach nichts! Man hat unendlich viel Platz, soviel, dass man dies in Schweizer Verhältnissen fast gar nicht mehr ausdrücken kann.

Für uns hiess das, Lebensmittel für 10 Tage und bis zu 45 Liter Wasser transportieren. Wie wenn wir nicht schon genügend Gepäck gehabt hätten! Übernachtet wurde meistens im Busch, weit genug von der Strasse weg. So konnte uns keiner sehen, und wir waren vor unliebsamen Überraschungen sicher. Solange es Büsche hatte, ging dies gut, weiter unten im Süden wurde es jedoch zunehmend schwieriger, sich zu verstecken. Wegen starken Gegenwindes konnten wir selten mehr als 110 km pro Tag fahren.

Billabong (Wasserloch)
Billabong (Wasserloch)

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